Gächingen-Buch von 1687-1764

Vor ein paar Wochen rief mich ein mir verbundener Inhaber eines Antiquariats an, ob ich an einem Buch über Gächingen interessiert sei aus der Zeit 1687-1764. Für 500 € könnte ich es haben. Ich zögerte wegen den 500 € und weil er mir wegen der altertümlichen Schrift nicht sagen konnte,was drin stand. Wenige Tage danach besuchte mich ein befreundeter Stuttgarter Architekt und Galerist, der Bilder meines Schwiegervaters Walter Gutbod schätzt und holte sich bei mir eine Kopie eines Bildes von Oskar Schlemmer ab, die dessen Bruder Casca Schlemmer auf Wunsch des Bruders Oskar gemacht hatte und die in meinem Besitz war. Ich schenkte ihm diese Kopie, weil er sich immer wieder für die Kunst meines Schwiegervater einsetzt. Dabei kamen wir auf dieses Buch zu sprechen. Drei Tage später lag es in meineem Briefkasten. Er hatte es erworben und mir dann geschenkt.

So sieht das Buch und die Schrift aus:


Deckel vorne

Seite 1

ca. Seite 200

Deckel hinten

Da auch ich wenig mit der Schrift anfangen konnte, wandte ich mich an Herrn Dürr vom Geschichtsverein St. Johann und er fand heraus, dass es sich wohl um ein Lager- oder Steuerbuch handelt. Zudem ein paar Gächinger Namen: "Martin Bosler", "Hans Martin Mistele", Hans Martin Brändlen", "Christian Blankenhorn" und "Martin Ostertag". Alles uns Gächingern vertraute Namen.Noch ein paar Worte hat er enziffert "Haus und Scheune", "Erbliche Höfe", "Güter" und "fremde Lehen". Es geht in dem Buch wohl um diejenigen, die Steuern und Abgaben entrichten mussten. Eine Übersetzung in Schreibmaschinenschrift könnte manche Entdeckungen freilegen. Daher wandte ich mich dann an meinen Freund Manfred Wasser, der Leiter des Kreisarchivs Esslingen ist und schickte ihm eine beliebige Seite, weil ich einen Fachmann für diese Schrift suchte. Promt bekam ich ein Antwort von ihm:
"Lieber Coa, Da hast Du ja einen spannenden Fund gemacht, handelt es sich vielleicht um ein Heiligenlagerbuch? Das sollte irgendwann ins Archiv gelangen.....Natürlich habe ich da jemanden, der Dir helfen kann und der hat das grade als willkommene Ablenkung in der Mittagspause transkribiert. Schau mal, ob Du damit weiterkommst, Paläographie ist reine Übungssache und die Handschrift ist eigentlich ganz sauber und ordentlich. Man darf sich nur von den Schnörkeln nicht drausbringen lassen......" Na ja, von den Schnörkeln nicht drausbringen lassen, das klingt leichter, als es jedenfalls für mich ist. Die Übersetzung der einen Seite lautet:
"Gächingen Fünf Jauchert auf dem Steinbühl, welche im alten Lägerbuch in dreyen Posten, als anderthalb Jauchert im Weyler hinauf, Strangen aus er- item sechs meldtem Steinbühl und ein kleines aeckerlen im see begriffen gewesen, zwischen Ludwig Plankenhorn und Hannß Martin Brändlen, schultheißen, gelegen, stossen vornen auf den Ofenhäuser Steig unnd hinden auf die gemeind."

Das könnte doch für Gächingen interessant werde. Wir würden wohl die Wohlhabensten zur damaligen Zeit in Gächingen kennenleren.

Der Wermutstropfen

Das Archiv in Gächingen, von Frau Bischoff-Luithlen bis 1945 geordnet und mit einem Findbuch ausgestattet, ist für die Nachkriegszeit ungeordnet  und da kein Archivar vorhanden auch für die Öffentlichkeit unzugänglich. Das gleiche gilt für das Archiv in St. Johann im Rathaus in Würtingen., das sich offensichtlich in einem desolaten Zustand befindet. Schade, mit dem Buch werde ich daher dem Rat des Fachmanns, also dem Leiter des Kreisarchivs Esslingen  folgen: Ich schenke es dem Staatsarchiv in Stuttgart. Dort ist es besser aufgehoben. Damit es nicht ganz für Gächingen verloren geht, habe ich das Buch eingescannt. Wer es als Kopie einsehen möchte, kann eine Kopie anfordern, wer dann womöglich Lust hat, das Ganze in Schreibmaschinenschrift zu übertragen, bekommt von mir 100 €. Vielleicht legt die Gemeinde noch etwas drauf, damit der Anreiz größer wird?!