– Eine Erinnerung –
Als ich Mitte der 70er Jahre im Auftrag des Gymnasiums Münsingen, an dem ich als Lehrer seit zwei Jahren tätig war, Herrn Kälberer ein Mal aufsuchen musste, tat ich dies mit einem mulmigen Gefühl im Bauch.: Ich kannte ihn von einigen Reden und von Fotos aus der Presse. Er war selbstsicher im Auftreten, immer im Anzug – ich glaube, oft auch mit Fliege anstelle der Krawatte – und dann die schwere Brille und schon seit 1964 in der Komunalpolitik tätig, seit 1971 Bürgermeister in Münsingen. Respekt, Respekt, denn wer war ich? Ein kleines Würstchen in Jeans und T-shirt, mit langen Haaren, erst seit zwei Jahren im Dienst als kleiner Studienrat mit folglich noch wenig wirklicher Berufserfahrung, und ich sollte mit diesem älteren – wie ich vermutete – Mann nun im Rathaus verhandeln.Was wird auf mich zukommen?
Er kam auf mich zu, holte mich in sein Zimmer, begrüßte mich freundlich, ohne mich kritisch vorher zu mustern, und schon konnte ich mein Anliegen vorbringen. Er war ein guter und genauer Zuhörer und das Gespräch fand – natürlich unter vier Augen - von der ersten Minute sachlich und auf Augenhöhe statt.
Diese Erinnerung kam in mir auf, als ich jetzt seine Todesanzeigen las. Erst ein erstauntes Kopfschütteln: das kann doch nicht wahr sein: Er war ein Jahr jünger als ich, der ich ihn doch für viel älter hielt! Dann aber zustimmendes Nicken: „Er setzte sich für eine moderne, bürgernahe Verwaltung ein.“ - „Brückenbauer“ – „suchte pragmatische Lösungen“ – „sein Rat war gefragt“ und, was mir besonders gefiel „Weitblick“, also bei aller Pragmatik keine kurzfristigen, sondern zukunftsorientierte Lösungen. Das bezeugen die erfolgreichen Realisierungen all seiner Projekte, auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt, durch deren Weiterverfolgung duch seine Nachfolger.